Überplanmäßige Mittel für den Offenen Ganztag inklusive "Ganztag Plus" empfohlen
Empfehlung im Ausschuss für Schule und Bildung
13.10.2026
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Mit "Ganztag Plus" erhalten Kinder an den fünf gebundenen Ganztagsförderschulen ab dem Schuljahr 2026/2027 eine außerunterrichtliche Betreuung, zu der die Stadt gesetzlich verpflichtet ist.
- Bisher haben 26 Familien Interesse an "Ganztag Plus", die Jugendhilfe Essen gGmbH soll dafür sechs Betreuungsgruppen an den fünf Schulen übernehmen.
- Die Stadt benötigt überplanmäßige Mittel von 11,32 Millionen Euro für die schulische Ganztagsbetreuung, neben "Ganztag Plus" (190.000 Euro) vor allem für den Mehrbedarf im Offenen Ganztag.
Die Stadt Essen schafft an den gebundenen Ganztagsförderschulen ein neues Betreuungsangebot. Unter dem Namen "Ganztag Plus" sollen Kinder mit Förderbedarf ab dem Schuljahr 2026/2027 eine außerunterrichtliche Betreuung erhalten. Für das neue Angebot fallen im Haushaltsjahr 2026 Kosten von 190.000 Euro an. Insgesamt benötigt die Stadt Essen überplanmäßige Mittel in Höhe von 11,32 Millionen Euro, neben "Ganztag Plus" vor allem für den Mehrbedarf im Offenen Ganztag. Der Ausschuss für Schule und Bildung hat diese Mittelbereitstellung in seiner heutigen (13.10.) Sitzung empfohlen.
Was ist "Ganztag Plus" und warum setzt die Stadt es um?
"Ganztag Plus" ist ein neues Betreuungsangebot für Schüler*innen der gebundenen Ganztagsförderschulen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat am 23. April 2026 den Erlass "Zuwendungen für die Durchführung außerunterrichtlicher Angebote im Primarbereich gebundener Ganztagsförderschulen zur Ermöglichung eines rechtsanspruchserfüllenden Zeitrahmens ("Ganztag Plus")" verabschiedet. Danach ist die Stadt Essen gesetzlich verpflichtet, diesen Schüler*innen ein Betreuungsangebot im Rahmen des Rechtsanspruchs auf ganztägige Förderung bereitzustellen, sofern die Familien es in Anspruch nehmen möchten. Im Schuljahr 2026/2027 gilt das zunächst für die 1. Klassen. In den Folgejahren wird der Anspruch schrittweise auf weitere Jahrgangsstufen ausgeweitet. Die Stadt hat das Angebot gemeinsam mit der Schulaufsicht zügig auf den Weg gebracht.
Für wen gilt der Anspruch?
Grundlage ist § 24 Absatz 4 SGB VIII in Verbindung mit dem gemeinsamen Erlass zu Offenen Ganztagsschulen sowie außerunterrichtlichen Ganztags- und Betreuungsangeboten im Primarbereich. Kinder, die im Schuljahr 2026/2027 oder später in die erste Klasse kommen, haben danach vom Schuleintritt bis zum Beginn der fünften Klassenstufe einen Anspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung.
Wie groß ist der Bedarf?
Eine Abfrage an den fünf betroffenen Schulen hat ergeben, dass derzeit 26 Familien Interesse an "Ganztag Plus" haben. Erfahrungswerte gab es nicht, da das Angebot neu ist. Die Stadt rechnet mit der Einrichtung von sechs Betreuungsgruppen an folgenden Schulen:
- Comenius-Schule (Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung)
- Pestalozzi-Schule (Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung)
- Traugott-Weise-Schule (Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung)
- Parkschule (Förderschwerpunkte Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung)
- Schule Am Steeler Tor (Förderschwerpunkte Lernen, emotionale und soziale Entwicklung sowie Sprache)
Wer übernimmt die Betreuung?
Die Betreuung soll die Jugendhilfe Essen gGmbH übernehmen, die bereits Trägerin des Offenen Ganztags in Essen ist. Schulaufsicht, Schulen und Schulträger halten eine Betreuung vor Ort und im vertrauten Umfeld für notwendig, da es sich um eine besonders schutzbedürftige Schülerschaft handelt. Für jede Gruppe ist ein*e Heilerziehungspfleger*in vorgesehen, hinzu kommen zwei Springer-Stellen. Insgesamt sind acht Stellen mit jeweils 30 Wochenstunden geplant.
Was kostet das Angebot?
Für das Schuljahr 2026/2027 rechnet die Stadt mit Gesamtkosten von 456.000 Euro. Davon entfallen 450.800 Euro auf Personal und 5.200 Euro auf Sachkosten (200 Euro je Kind). Auf das Haushaltsjahr 2026 (August bis Dezember) entfallen 190.000 Euro, auf das Haushaltsjahr 2027 (Januar bis Juli) 266.000 Euro. Diese Kosten waren in der Haushaltsplanung für 2026 und 2027 nicht berücksichtigt.
Gibt es Fördermittel vom Land?
Die Stadt hat bei der Bezirksregierung Düsseldorf eine Zuwendung beantragt. Der Fördersatz beträgt 1.541 Euro pro Kind und Schuljahr. Bei Bewilligung wären das voraussichtlich 40.066 Euro. Die Rückmeldung der Bezirksregierung steht noch aus.
Warum braucht es allgemein zusätzliche Mittel für den Offenen Ganztag?
Neben "Ganztag Plus" benötigt auch der Offene Ganztag im Haushaltsjahr 2026 voraussichtlich rund 13,23 Millionen Euro mehr. Auch hier handelt es sich um gesetzliche Pflichtaufgaben und vertragliche Verpflichtungen nach dem SGB VIII sowie den Betreuungsverträgen mit den Eltern. Sie sind nach § 82 GO NRW zeitlich und sachlich unabweisbar. Die Gründe sind:
- die allgemeine Tariferhöhung, die vollständig die Stadt trägt,
- zusätzliches Personal für die neuen Gruppen (63 Gruppen zum Schuljahr 2025/2026, 77,5 Gruppen zum Schuljahr 2026/2027),
- zusätzliche Küchenstunden bei der RGE Servicegesellschaft Essen mbH,
- Preissteigerungen und Lohnerhöhungen seit Januar 2026, die vertragsgemäß an die Stadt weitergegeben werden.
Zusammen mit "Ganztag Plus" ergibt sich ein Mehraufwand von rund 13,42 Millionen Euro. Dem stehen Mehrerträge von rund 2,1 Millionen Euro aus Elternbeiträgen gegenüber. Es bleibt ein ungedeckter Fehlbetrag von rund 11,32 Millionen Euro.
Der Rat der Stadt Essen wird in seiner mortgigen (14.10.) Sitzung über die überplanmäßige Mittelbereitstellung entscheiden.
Weitere Informationen erhalten Interessierte aus der Vorlage 1272/2026/4
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